QR- Codes auf Sanitätsautos - ein guter Ansatz!

Es ist ein Verhalten das nicht nachvollziehbar ist, wenn man ein Mindestmaß an Anstand besitzt: Gaffer die an Unfällen vorbei fahren und mit dem Handy draufhalten. Es wurde Zeit, dass hier etwas passiert, aber warum halte ich die neue Lösung nur für einen guten Ansatz?

 

Auch wenn in den Medien schon mehrmals deutlich gemacht wurde, dass das Filmen von Unfallstellen in vielen Fällen keine Ordnungswidrigkeit ist, sondern eine Straftat ist, scheint das bei einem gewissen Teil der Bevölkerung noch nicht wirklich angekommen zu sein. Wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der ein Foto eine relativ bewusste und auch durchdachte Handlung ist. Es hat sich das Empfinden für ein Foto doch sehr stark verändert und auch bagatellisiert. Es ist nicht mehr so, dass ein Foto ein Zeremoniell ist, wo man erstmal zufällig einen Fotoapparat zur Hand haben, oder spezeill mitbringen muss, um dann bewusst ein Foto zu schießen. Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der wir das mit dem Smartphone erledigen können. Da wir das Smartphone immer am Mann haben, haben wir auch die Möglichkeit jederzeit ein Foto zu schießen. Genau so inflationär setzen wir diese Fotofunktion auch ein. Jeder fühlt sich berufen von seiner dummen Visage an jedem Ort Ort der Welt ein Selfie zu machen. Leute fotografieren ihr Essen um es auf Instagram oder Facebook zu posten. Auch ich halte mein schwabbeliges Gesicht immer wieder in die Kamera um dann festzustellen, dass ich damit Content erschaffe, der uninteressanter nicht sein könnte. Aber gerade dieser inflationäre und geradezu geistlose Einsatz der Kamera ist es, der unseren Alltag gerade in Bezug auf die Persönlichkeitsrechte massiv verändert hat. Denn es scheint so zu sein, dass man heute davon ausgeht, dass alles was man scharfgestellt bekommt auch forografieren darf. Das ist gerade in der heutigen Zeit, wo wir sinnvolle Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung dem Datenschutz unterwerfen mussten, eine skandalös ignorante Einstellung. Denn: überall wo ich für mich persönlich Rechte einfordere haben auf der gegenüberliegenden Seite Andere auch Rechte – und zwar exakt die gleichen – nur das blenden Manche für sich einfach aus.

 

Ich nehme hier als professioneller Kameramann mal das Thema Drohne, weil es mich speziell beruflich betrifft. Durch den Datenschutz, wurden mir die Möglichkeiten massiv eingeschränkt, damit meiner Arbeint nachzugehen. Das liegt in hohem Maße daran, dass Ottonormalverbraucher sich für so schön und interessant zu halten scheint, so dass er glaubt JEDER würde gerne in sein Fenster oder seinen Garten filmen um sein Privatleben auszuspähen oder gar ihn nackt zu sehen. Aber Erstens, sind die meisten so unninteressant, dass der jenige sich lediglich wünschen würde so interessant zu sein, dass sich jemand für sein Leben interessieren würde und Zweitens, ist nicht alles, was nackt ist, auch sehenswert.

 

Wie dem auch sei; jetzt haben wir nun mal diese Richtlinien beim Datenschutz, also muss man auch anerkennen, dass diese Rechte für alle gleichermaßen gelten. Aber wie wir es auch an anderer Stelle bereits feststellen mussten, sind nicht alle Menschen gleich, sondern manche Menschen sind einfach gleicher, denn die Rechte die sie für sich selbst stets einfordern, gestehen sie anderen nicht zu. Ich empfinde es als einen viel krasseren Verstoß gegen die Privatsphäre wenn man einen Menschen dabei fotografiert oder filmt, wie dieser verletzt, blutend, von-sich-lassend an einer Unfallstelle auf Hilfe wartet, oder gerade reanimiert wird, als wenn jemand nackt im Garten beim Grillen festgehalten wird – vom Tatbestand ein Todesopfer in Bildern festzuhalten mal ganz zu schweigen. Dass diese Gaffer, in dem Moment in dem sie sich am Leid anderer ergötzen, wiederum selbst eine weitere Gefahrensituation schaffen in der sie selbst zu einem portraitfähigen Unfallopfer werden könnten, blenden diese Knetköpfe auch völlig aus. Darüberhinaus stellt sich mir ja auch die Frage, was ich mit so einem Bild überhaupt mache? Gehe ich zu meinem Kollegen und sage "Hey schau mal, ich habe heute einen Toten fotografiert. Guck mal wie zerfetzt der ist". Was soll das also?

 

Als vor einiger Zeit einem fränkischen Polizisten bei einem Unfall auf der Autobahn der Kragen geplatzt ist, hatte der vernünftige Teil Deutschlands applaudiert. Dieser Polizist hatte nämlich vorbeifahrende und filmende Auto- und LKW-Fahrer so lautstark angebrüllt, dass ihnen Hören und Sehen verging. Einzelne hartnäckige Brummifahrer wurden sogar rausgezogen und gezwungen sich die Unfallstelle direkt aus der Nähe anzusehen, inklusive der Leiche. Diese Schocktherapie hatte bei diesen wenigen Personen vermutlich gewirkt, ist aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn massentauglich ist das nicht. Schon damals hätte man sich gewünscht, dass die Abwägung, ob es eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat ist, komplett abgeschafft und dies generell als Straftat eingestuft würde. Gewünscht hätte man sich dann auch, dass diese Straftat schärfer verfolgt und teuer bestraft würde. Leider ist dies aber aus den Medien relativ schnell wieder verschwunden.

 

Nun haben die Johanniter sich etwas Intelligentes einfallen lassen: Moderne Smartphones haben eine automatische Erkennung von QR-Codes über die Kamera. Wenn man die Kamera-App öffnet und innerhalb des Bildausschnittes ein QR Code erkannt wird, dann wird dieser direkt geöffnet und die dahinter festgelegt Funktion gestartet. Dies funktioniert automatisch und ist nicht zu unterdrücken. Deshalb haben die Johanniter nun auf ihre Fahrzeuge, Koffer und Teile ihrer Kleidung großflächig einen speziellen QR-Code gedruckt bei dem eine Botschaft hinterlegt ist, mit welcher der Gaffer auf sein Verhalten aufmerksam gemacht wird. Da sowohl die Koffer als auch die Fahrzeuge immer relativ nahe am Geschehen sind, ist es dem Gaffer also kaum möglich dort einen Bildausschnitt zu wählen in dem dieser QR-Code nicht irgendwo wenigstens einmal sichtbar auftaucht – und das startet unweigerlich den QR-Code-Scanner. Da die Johanniter aber kein Teil der Exekutive sind, können diese natürlich nicht mehr tun als mahnen. Handhabe hat der Sanitätsdienst leider nicht. Aus diesem Grund halte ich die Idee zwar für genial aber leider nur für einen Ansatz, denn wenn der Gaffer diese plakative Meldung wegklickt, kann er trotzdem sein Forto machen. Zwar finde ich diese Idee wesentlich sinnvoller und notwendiger als die Fotos auf Zigarettenschachteln, aber ich denke die Wirkung wird in etwas die gleiche sein. Wer grundsätzlich zu dieser Klientel gehört, der wird sein Foto auch nach dem Hinweis machen, weil das Schuldbewusstsein einfach nicht vorhanden, oder der Thrill dieses Foto zu machen, einfach wichtiger ist.

 

Diese Idee der Johanniter ist zwar genial, aber man sollte sie unbedingt weiterspinnen und die Justizbehörden sollten sich unbedingt auf darauf aufschalten. So wäre es beispielsweise möglich, dass dieser QR Code nicht nur zu einem Hinweis führt, sondern dass er auf eine Website weiterleitet auf der die Telefonnummer des Handys registriert wird. Auf diese Registrierung könnte dem begabten Hobbyfotografen sein saftiges Knöllchen zugestellt werden. Daraufhin stünde es jedem dieser Knipser frei gegen die Forderung Widerspruch einzulegen. Immerhin: gäbe es irgendeinen Grund, warum sich einer dieser QR Codes in ein normales Bilder verirrt haben sollte, dann könnte er das jederzeit anhand des Fotos auch bestätigen und er wäre vom Haken. Aber, auf diese Weise käme man vielen Gaffern bei, und könnte dieses unsägliche Verhalten innerhalb allerkürzester Zeit auf ein Minimum reduzieren. Selbstverständlich würde sich hier wiederum ein Markt für Johanniter-QR-Blocker-Apps auftun, aber bei einem bewussten Installieren einer solchen App bewegen wir uns rechtlich doch in einem ganz anderen Rahmen. Hier haben wir es dann nicht mehr mit einem geschmacklosen Knipser ohne Anstand zu tun, sondern mit einer gewissen kriminellen Energie, der mit normalen Maßnahmen nicht beizukommen ist. Das wäre dann vergleichbar mit einem Einbrecher oder mit einem Spanner, der die Straftat bewusst begeht und dafür auch Sicherungsmaßnahmen umgeht. Das dürfte nur auf einen sehr kleinen Teil der Gaffer zutreffen.

 

Deswegen: bei dieser Idee ist noch viel Luft nach oben, und ich hoffe hier werden sowohl rechtliche als auch technische Spielräume genutzt!

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