Die Rechnung kommt am Ende.

Seit Monaten, ja vielleicht schon seit einem Jahr, hören wir ständig über das Management der Pandemie, die Kosten, die Folgen und ein generelles Urteil zum gesamten Abschneiden Deutschlands während der Pandemie. Aber sind unsere Etappenziele tatsächlich nicht erreicht? Sind die Folgen wirklich nicht zu bewältigen, und hätte eine Regierung aus Grün, Gelb, Tiefrot oder Blau diese Krise besser bewältigt? Ich habe mal gelernt, erst wird gegessen, dann bezahlt. Im Verlauf der Pandemie sind wir aktuell (hoffentlich) beim Dessert, und haben beim Kellner aktuell immernoch nicht die Rechnung bestellt. Ist auch richtig so: eventuell bestellen wir uns noch einen Cappuchino, oder vielleicht mag doch noch jemand am Tisch gerne einen Digestiv. Auch wenn das Ende des Abendessens absehbar ist, wissen wir während wir an unserer Eisbombe sitzen trotzdem nicht zweifelsfrei ob zu unserer Bestellung nicht noch etwas hinzukommt.

 

Es ist klar, dass zu Beginn der Pandemie nicht wirklich absehbar war, wie lange sie wirklich dauern würde. Zwar haben einige Wissenschaftler tatsächlich darauf hingewiesen, dass Mutationen entstehen würden, und dies die Dauer der Pandemie nach hinten verlängern würde. Aber es wurden von der Wissenschaft auch viele Dinge prophezeit, die nicht eingetreten sind. Es konnte also keiner verbindlich sagen wie die Pandemie verlaufen würde. Natürlich gibt es viele die dies von sich behaupten, aber diese Klugschwätzer zeigen damit nur, dass sie die aktuelle Faktenlage meisterlich auszunutzen wissen. Aber trotz der Tatsache, dass keiner wusste wie so eine Pandemie zu handhaben ist, gab es unzählige Stimmen die bei jedem kleinen Zwischenschritt versucht haben, Inventur zu machen. Das hat dazu geführt, dass vielen Bürgern eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Pandemiemanagement eingeredet wurde. Da wurden auf der Kurzstrecke immer wieder Vergleiche zu anderen Ländern gezogen oder einzelene Landesregierungen gegeneinander ausgespielt. Dabei ignoriere ich jetzt mal einzelne Politiker, die aus politschem Opportunismus, bei diesem Treiben mitgespielt haben.

 

1. Vor der Pandemie.

Dass Pharmaunternehmen ihre Produktion bereits vor Jahren nach China und Indien verlagert haben war nicht wirklich eine Entscheidung der Politik. Stimmen die danach rufen dies staatlich zu regulieren, mögen vielleicht das Herz am rechten Fleck haben, aber dies wäre eine Maßnahme die der sozialen Marktwirtschaft widerspricht. Das wäre eine Maßnahme aus dem Sozialismus. Die Geiz-ist-Geil-Mentalität der letzten Jahrzehnte ist auch nicht etwas das der Verbraucher erfunden hat, sondern hat seinen Ursprung in den Hochschulen in denen unsere BWLer ausgebildet werden. Dort wird ihnen nur beigebracht wird wie man im Produktionsverlauf Geld einsparen kann, aber ganz offenkundig nicht wie Herstellung und Transport auf Mensch und Tier wirken. Diese Entwicklung ist der Grund dafür warum Firmen, um "rentabler" zu werden, Fertigungsprozesse verbilligen müssen. DESHALB geht die Produktion nach China, nicht weil die dort so nette Gesichter haben. Dort ist es möglich unter menschenunwürdigen Bedingungen zu niedrigsten Stundenlöhnen zu produzieren, was hier durch Gewerkschaften und Standards der Menschenwürde glücklicherweise nicht möglich ist.

Diese Entwicklung ist uns während der Pandemie auf die Füße gefallen, weil just diese Länder während der Pandemie stark betroffen waren und deren Produktion ausfiel. Ändern wird sich in der Zukunft vermutlich wenig, wenn sich in den Köpfen der Hochschul-Professoren nicht die Erkenntnis einstellt, dass sie diese Misere mit zu verantworten haben. Den BWLern müssen dringend menschlichere Werte beigebracht werden!

 

Hier sehe ich also schon mal kein wirkliches Versagen der Politik!

 

2. Masken.

Kurzfristige Maskenbestellungen wurden schon direkt zu Beginn der Pandemie notwendig. Was in der Wirtschaft Gang und Gebe ist, wird in der Politik plötzlich zum Problem: In der Wirtschaft würde ein guter Einkäufer alle seine Beziehungen nutzen um unkompliziert und schnell Ware ranzuschaffen. Wenn dies ein Politiker macht, und seine Connections nutzt, ist das vom Effekt her gut, aber die Sache bekommt für uns trotzdem auf einmal ein "Geschmäckle".  Ich persönlich verstehe dabei nicht warum ein Jens Spahn seine Connections nicht nutzen sollte – vorausgesetzt er bereichert sich nicht daran. Das hat er meines Wissens nie getan. Dass hierbei aber doch einige Ratten aus den Löchern kamen und sich doch bereichert haben, gibt uns noch lange nicht das Recht die komplette politische Riege als korrupt zu bezeichnen. Das wird auch der Situation in der CDU nicht gerecht. Hier handelt es sich lediglich um schwarze Schafe, mehr nicht, und die gibt es in jeder Partei. In jeder!

 

Ich erkenne also auch hier kein ausgesprochenes Versagen der Politik.

 

3. Der Impfstoff.

Hier echauffiereen sich die Motzer mit am meisten. Bei diesem Thema wird der Politik alles mögliche unterstellt: Zu wenig Impfstoff bestellt, zu spät bestellt, dummerweise über die EU bestellt. Aber sind diese Vorwürfe gerechtfertigt?

 

Wie bei der aktuellen Diskussion um das leer stehende Notkrankenhaus in Berlin das für den Notfall in der Pandemie errichtet wurde, kann man natürlich die Situation immer FÜR oder GEGEN die Regierung auslegen. Befürworter sagen "Zum Glück hatten wir dieses Krankenhaus und mussten es nicht nutzen". Gegner nennen das ein kollossale Fehlentscheidung die den Steuerzahler Geld gekostet hatte. Aber was wäre gewesen wenn der Ernstfall eingetreten wäre und wir hätten die Klinik nicht gehabt? Wie wäre dann das Urteil über die Regierung ausgefallen? So kann man das auch bei dem Impfstoff sehen. Der Staat hat es richtig gemacht in dem er mehrere Unternehmen finanziell unterstützt und gefördert hatte, die Impfstoffe zu entwickeln. Ob jemals einer dieser Impfstoffe wirken oder zugelassen würde, konnte KEINER voraussehen. Da musste die Regierung pokern. Da hat man sich mit mehreren Herstellern auch sehr breit aufgestelt und die Chancen gut gestreut. Glücklicherweise konnte die Industrie mehrere funktionierende Impfstoffe in Rekordzeit entwickeln und zur Zulassung bringen. Das verdanken wir auch dem umsichtigen Handeln unserer Regierung. Ohne sie wäre dies nicht möglich gewesen.

 

Warum wurde er nicht direkt aus Deutschland bestellt sondern über die EU?  War das ein Fehler? Nein, war es nicht! Die EU steckt in einer tiefen Krise und es war alternativlos in dieser fundamentalen Situation geschlossen zu handeln um zu zeigen die EU funktioniert und ist für einander da. Leider sahen das andere Staatschefs wie z.b. in Serbien oder Ungarn nicht so und haben ihr eigenes Süppchen gekocht. Sie haben an der EU-Verteilung vorbei die Impfstoffe aus Russland und China im Schnellzulassungsverfahren auf dem eigenen nationalen Markt erlaubt und sich damit einen unlauteren Vorteil verschafft. Diese Länder partizipieren überall dort wo die EU ihnen Vorteile bringt und überall da wo man von ihnen Geschlossenheit verlangen könnte, lassen sie uns hängen. Sich diese Länder als Beispiel zu nehmen brächte uns in Situationen wie im Nahen Osten! Dieses Verhalten ist zutiefst uneuropäisch!! Dass Länder wie die USA unseren deutschen Impfstoff im eigenen Lande produzieren und dann mit einem Exportstopp belegen, zeigt nur, dass die USA auch unter Biden immernoch eine gewisse "America First"-Politik praktizieren, die ich mir auch nicht zum Vorbild machen möchte. Als verlässlicher Partner haben sie sich damit nicht bewiesen.

 

Was dafür spricht, dass unsere Vorgehensweise kein Chaos ist, ist die Tatsache, dass die besten Impfstoffe der Welt aus Deutschland kommen. Unsere Präparate sind, im Gegensatz zu denen aus anderen Ländern, wenig umstritten und sind ausgesprochen wirkungsvoll. Und obwohl wir uns an den Verteilungsschlüssel der EU gehalten haben und uns nirgends vorgedrängelt haben, stehen wir aktuell sehr gut im Fortschritt da. Auch das ist ein Verdienst unserer Regierung. Immer wieder wird angeführt, dass wir zu spät mit dem Impfen begonnen haben, aber auch das ist Unfug! Die Regierung hatte uns im November 2020 deutlich gesagt, dass die ersten Impfstoffe im Dezember zugelassen werden. Mit dem Impfen würde man dann im 2. Quartal 2021 beginnen. Dass wir dann doch bereits im Q1 impfen konnten, war ein Bonus, aber war so nie vorgesehen. Leider haben die Medien diesen Bonus aber im Laufe der ersten Wochen so interpretiert, als wäre zu wenig Impfstoff da. Sicher, kann man das so sehen, aber theoretisch hätte noch gar kein Impfstoff da sein müssen, da dieser ja erst für einen späteren Zeitraum versprochen war. Somit war jede Dosis die VOR dem Q2 verabreicht wurde ein klarer Zusatzerfolg und keine Impfpanne.

Zu Beginn des Jahres sah es so aus als würden uns Länder wie USA, GB, Serbien und Ungarn weit hinter sich lassen, aber wenn man bedenkt, dass Deutschland moralisch korrekt gehandelt hat und wir zum jetzigen Zeitpunkt stark aufholen, bin ich mächtig stolz auf unser Land, dass wir diese Erfolge vezeichnen können OHNE, dass wir unsere Ellbogen ausgefahren haben. Was soll daran bitte schlecht sein? Was soll daran Versagen sein?

 

Natürlich hätte man als EU mehr Impfstoff bestellen können oder den Unternehmen mehr bezahlen können. Aber das Geschrei wäre im Nachgang auch groß gewesen wenn die Gegner der Regierung argumentierten, man hätte verhandeln müssen und es wäre viel zu viel bezahlt worden. Auch hätte man dann behaupten können es wären zu viele Dosen bestellt worden, obwohl die Impfstoffe nie zugelassen wurden. Da sie nun aber zugelassen sind, behauptet man einfach mal schnell es wurde viel zu wenig bestellt. Die Wahrheit ist eher, dass es hier enorme Risiken gab. Daher fand ich die Entscheidungen ausgewogen. Man bedenke: unsere Politiker hatten keine Glaskugel und keinen Wahrsager in ihren Reihen. Auch sie konnte nur schätzen, und wie ich finde ist das gut gelaufen! Aber die Kritiker sehen halt das was sie sehen wollen, und wer die Politik als Versager sehen will, der wird jeglichen Verlauf auch in diese Richtung interpretieren können. So viel Flexibilität haben die Fakten. Lege einen Klumpen Gold auf einen Tisch an dem zehn Personen sitzen. Acht werden sagen "Wow, Gold!", zwei werden sagen "Was, bloss Gold? Warum kein Platin?"

 

4. Die Wissenschaft.

Die Politik war stets dazu angehalten auf Die Wissenschaft zu hören. Aber wer ist Die Wissenschaft? Die Wissenschaft per Se gibt es nicht. Auch sie ist ein versprengter Haufen der sich in vielen Dingen uneinig ist. Also auf wen hört man als Politiker? Man kann sich immer den Wissenschaflter aussuchen, dessen Thesen der eigenen Ansicht am besten entsprechen. Ich würde hier tatsächlich der Regierung sogar weniger Schuld geben als der Wissenschaft, denn diese hat sich in vielen Fällen stark in den Vordergrund gespielt ohne dann auch die Verantwortungen zu übernehmen. Die Erkenntnisse waren auch für die Politik in ihrer Absolutheit kaum zu ignorieren. Entscheiden wollte die Wissenschaft aber nicht und Verantwortung schon gar nicht. Diese unliebsame Arbeit soll dann bitte doch die Politik übernehmen.

 

Natürlich sind auf dem langen Weg in der Pandemie viele Fehler passiert. Ein totales Disaster kann ich aber definitiv keines erkennen. Für die Opposition war es stets eine komfortable Situation, aus der zweiten Reihe behaupten zu können, sie hätte es besser gemacht. Ich wage die steile These, dass es keine der anderen Parteien besser gemacht hätte. Keine wäre unter weniger Druck gestanden und keine hätte somit freier entscheiden können.

 

Was aber viel wichtiger ist: die Pandemie ist noch nicht vorbei. Somit sind jegliche Vergleiche mit anderen Ländern absurd und es kann erst ein Strich gezogen werden, wenn es wirklich vorbei ist. DANN wissen wir wie wir uns geschlagen haben. Nicht vorher. Und so wie ich das sehe, haben wir es alle zusammen gut gemacht!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0